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Fußgänger und Radfahrer

Fußgänger und Radfahrer

Rote Ampeln sollten nur noch für die Autos gelten

14.11.2013 | 18:14 | Von Ulrich Leth (Die Presse)

Wieso müssen Fußgänger und Radfahrer sich Autoverkehr unterordnen?

Sämtliche in der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgelegten Verhaltensregeln
zielen in erster Linie darauf ab, alle städtischen Verkehrsarten sicher und
unfallfrei im öffentlichen Raum zu kombinieren. Um dem motorisierten Verkehr
hohe Geschwindigkeiten und stetiges Fortkommen in der Stadt zu ermöglichen,
wird er räumlich (durch Unterteilung in Fahrbahn und Gehsteig)
beziehungsweise zeitlich (durch Ampeln) vom nicht motorisierten Verkehr
getrennt.

Anstatt das allgemeine Geschwindigkeitsniveau am schwächsten Glied – dem
Fußgänger – zu orientieren, wird dieser “Störfaktor” einfach an den Rand des
öffentlichen Raums gedrängt, zu seiner Sicherheit. Er darf die Fahrbahn nur
noch an dafür ausgewiesenen Stellen überqueren, meist ohne den versprochenen
Schutz am Schutzweg zu erfahren.

Auch die Radfahrer werden gesetzlich auf oft viel zu schmale
Mehrzweckstreifen gezwungen, die sie allein durch ihre Anlage in
Lebensgefahr bringen – von rechts durch sich öffnende Autotüren, von links
durch viel zu knapp überholende Kfz. Auch darf sich ein Radfahrer nur mit
zehn km/h einer Radfahrerüberfahrt nähern, während die
Annäherungsgeschwindigkeit des benachrangten Autoverkehrs nicht geregelt
ist.

Kurz: Die Leichtigkeit und Flüssigkeit, oft auch die Sicherheit des nicht
motorisierten Verkehrs wird der Leichtigkeit und Flüssigkeit des
Autoverkehrs untergeordnet.

Starre Vorschriften

Die starren Vorschriften und Methoden der StVO sind allerdings nur der
unübersichtlichen und isolierten Perspektive des Autolenkers sowie dem
Gefährdungspotenzial des Kraftfahrzeugs geschuldet. Ampeln dienen lediglich
dazu, die verunmöglichte direkte Kommunikation der motorisierten
Verkehrsteilnehmer untereinander und zu anderen zu kompensieren. Wieso diese
harten, am Kfz-Verkehr orientierten Maßnahmen auch für die anderen
Verkehrsteilnehmer gelten sollen, ist nicht nachvollziehbar. Vor allem die
Ausschaltung jeglicher Eigenverantwortung durch Überreglementierung ist
stark zu hinterfragen.

Ein innovativer Ansatz

Aus den genannten Argumenten ergibt sich die Forderung nach einer
Flexibilisierung der StVO für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer. Konkret
sollte es Radfahrern möglich sein, Stopptafeln wie Nachrangtafeln zu
behandeln und diese, ohne stehenbleiben zu müssen, zu überfahren. Ebenso
sollen Fußgänger und Radfahrer rote Ampeln überqueren dürfen, solange sie
nicht sich oder die bevorrangten Verkehrsteilnehmer gefährden oder
behindern.

Bei der Forderung handelt es sich um die sinnvolle Legalisierung vom bereits
weitverbreiteten Verhalten, rote Ampeln – immer unter Berücksichtigung der
Sicherheit aller Beteiligten – zu überqueren. Es ist schließlich nicht
nachvollziehbar, wieso die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Fußgänger- und
Radverkehrs durch Auto-Ampeln eingeschränkt werden sollten, wenn es kein
Gefährdungspotenzial gibt.

Wieso sollen Radfahrer und Fußgänger rote Ampeln überqueren dürfen, Autos
aber nicht? Weil es für Nichtmotorisierte aufgrund ihrer Fortbewegungsart
gefahrlos möglich ist. Sie sehen z.B. Kreuzungsbereiche unmittelbar ein,
hören herannahende Gefahrenquellen, können in Sekundenbruchteilen
beschleunigen und abbremsen, besitzen durch ihre geringe Masse kaum Trägheit
und ein geringes Gefährdungspotenzial. Hingegen sind Autolenker durch ihre
Cockpit-Sicht in ihrer visuellen und akustischen Wahrnehmung massiv
beeinträchtigt und können niemals so schnell und flexibel wie
Nichtmotorisierte reagieren.

Ulrich Leth (geboren 1983) erforscht und plant menschengerechte Formen der
Mobilität an der TU Wien.

Die Presse
http://diepresse.com/home/1479801/

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